Freitag, 5. Oktober 2007

Halo 3 und 26 Fernseher

Neulich hörte ich den Podcast Das digitale Logbuch: Blau die Kiste für die Tagesschau von Deutschlandradio, und ich muss sagen, ich fand es sehr treffend. Blau die Kiste für die Tagesschau bedeutet, dass jeder der Musik-, Spiele- und Filmeproduzent sein Format hat und damit macht, was er will - unter anderem eigens für seine eigene Hardware exklusive Software rauszubringen. Microsoft macht Spiele für die XBox, Sony für die Playstation und Nintendo für Wii. Und wir Idiot..., ich meine, Konsumenten, sind dann die gear***ten, die entweder mit einer Plattform klarkommen, wo nicht alles läuft, was wir gerne hätten, oder uns aber die Bude mit unterschiedlicher Hardware für die unterschiedliche Software zumüllen müssen (der Vergleich war, dass der Pro7-Fernseher nur Pro7, Sat1, kabel1 und N24 empfangen würde. Für alle anderen Sender bräuchte man einen eigenen Empfänger). Ich erinnere mich an die Zeit, als man ein Handy zum Telefonieren, ein Palmtop für die Lebensplanung und ein MP3-Player mit sich rumschleppte (wobei ich zugegebermaßen nach wie vor ein geschäftliches Handy mit Organizer, ein privates Handy und mein iPod spazieren trage, also so lange kann das noch nicht her sein). Aber man könnte sich wahrhaftig wünschen, dass dieses Chaos endlich mal aufhören würde, und man tatsächlich in der Lage wäre, für alles nur EIN Gerät zu gebrauchen (Hehe, ich sag da nur: iPhone Werbung! :)! Jetzt habe ich meine ganze Musik in aac bzw. meine Hörbücher in m4b, aber ich mag nicht dran denken, was passiert, wenn sich mein iPod - eher früh als spät, wie ich befürchte - in die weiten Jagdgründe der Apfelwelt verabschiedet.
Ok, worauf ich eigentlich hinauswollte, bevor ich mich den Wellen der Empörung hingab war: "Halo 3" bricht alle Verkaufsrekorde. 300.000.000 US$ (ich dachte ich schreibs mal aus, man vergisst leicht, wieviel 1 Mio ist...) in nur einer Woche ist auch verdammt gut. Bleibt abzuwarten, was als nächstes geschieht...
(Sofort als nächstes gehe ich meine Hörbücher abhören, bevor mein iPod nicht mehr mag... :) )
LG
moni

Mittwoch, 3. Oktober 2007

ICP 2008

Nächstes Jahr findet die International Conference on Psychology auf deutschem Boden, nämlich in Berlin, statt. Seit längerer Zeit schlage ich mich mit dem Gedanken rum, einen Abstract hinzuschicken.
Heute habe ich mir die ganzen Vorgaben mal durchgelesen, und Schock: man muss die "Objectives (indicate the purpose of the study or the hypothesis being tested); Methods (include the setting for the study, the participants, the diagnosis or intervention, and the type of statistical analysis; if references are needed, they should be given in the text); Results (present as clearly as possible the outcome of the study and statistical significance if appropriate); and Conclusions (briefly discuss the data and emphasize the significance of the results)." in Maximal 100 Wörter unterbringen!!! Kann ich denn zaubern, oder was??
Nein, ich nicht, aber meine Mama schon! :) Und deswegen haben wir jetzt zusammengetüftelt, und folgendes zusammengestellt:

Why playing games is better than living lifes
The objective of this research was to find out why people get so absorbed in computer games that they forget eating, drinking and sleeping. The virtual reality seems to offer experiences that the real life can not. To figure out how and why these people get hooked the case study method was used basing the qualitative analysis on 27 interviews with persons aged 8 to 68, 22 males and five females. The four gaming types based on Bartle (Explorer, Achiever, Socializer and Killer) were ratified and their psychic mechanisms elucidated based on Dörner’s Psi-Theory.

Jetzt muss ich nur noch meinen Lieblingsdoktorvater fragen, was er davon hält... Und dann gucken, dass ich eine Oral Presentation kriege, sonst bekomme ich keine Finanzierung von der Uni...
In diesem Sinne... Daumen drücken! :)

Wirkungen von Computerspielen

Tja, entgegen meiner Erwartung entwickelt sich das Kapitel über die Wirkungen von Bildschirmspielen doch zur ziemlichen Herausforderung. Allein über Aggression habe ich über 50 Seite Material.
Bis dahin, noch kein Problem. Das Problem ist, dass das Material - gerade die wissenschaftlichen Erkenntnisse - extrem widersprüchlich sind. Meine Interviewpartner sind sich im Gegensatz dazu ziemlich einige.
Jürgen Fritz stellt 4 Richtungen der Ergebnisse was die Gewaltforschung angeht:
* Stimulationstheorie: die Aggressionsbereitschaft wird durch das Bildschirmspielen gefördert, z.B. weil eine Identifikation mit dem (äußerst aggressiven) Held des Spiels stattfindet;
* Inhibitionstheorie: Gewaltdarstellung in Bildschirmspielen erzeugen Angst und hemmen die Bereitschaft zur eigenen Gewaltausübung;
* Habitualisierungstheorie: Gewaltszenen wirken abstumpfend, es findet eine Gewöhnung des Individuums an Gewalt statt, die die eigene Aggressionsbereitschaft auch erhöhen kann;
* Katharsistheorie: Beobachtung aggressiver Handlung bzw. das Nachspielen von Aggressionen baut Spannung ab und mindert die Aggressivität.

Bis dahin ist ja alles gut. Mein Problem ist folgendes: die Wissenschaft scheint nur die Stimulations- und Habitualisierungstheorie zu kennen oder zu beweisen. Meine Interviewpartner dagegen berichten fast ausschließlich über Katharsis, also Entspannung und Aggressionsabbau durch das Spielen, im geringeren Maß auch Inhibitionserscheinungen. Doch das ist ein so heißes Thema, dass ich eigentlich keine Lust darauf habe, mich hier mit der "etablierten" Meinung zu schlägern. Doch genau daran wird kein Weg vorbei führen.
Das bedeutet, dass meine Argumentation extrem schlüssig sein muss, damit ich mich nicht angreifbar mache. *seufz*
Ein Teil dieses Kapitels was mir besonders gut gefällt ist das, in dem ich die Theorie von Doris Bischof-Köhler aufgreife, mit den unterschiedlichen Aggressionstypen bei Männer (bzw. Männchen) und Frauen (Weibchen, da sie nicht ausscheließlich in der menschlichen Spezies vorkommen). Die Frau taugt echt was, finde ich. Sie kann manche Dinge einfach nicht nur klar, sondern auch sehr differenziert und schlüssig darstellen.
Daher, die Buchempfehlung des Tages: Von Natur aus anders. Echt lesenswert. Sie ist Entwicklungspsychologin, ihr Mann (Norbert Bischof) ist Physiker / Philosophe / Biologe (ich blick da nicht genau durch), und die schreiben eben aufeinander aufbauend. Super spannend.

Bei Gelegenheit schmeiß ich wieder ein Paar Leseproben der Diss rein.

LG
moni