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Dienstag, 5. Juni 2007

Huizinga, die Rettung

Heute morgen im Zug habe ich Scheuerl für "gelesen" erklärt (nach nur 1 Kapitel!) und das andere alte Buch aus der Tasche gezogen, die auf mich wartete: Johan Huizinga (Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel, Originalausgabe: Amsterdam: Pantheon 1939. Aktuell erhältlich: Reinbek: Rowohlt 2004, ISBN 3-499-55435-6).
Woran erkennt man jemand, der sich mit der Materie auskennt, worüber er schreibt? Daran, dass er so schreibt, dass man es verstehen kann. Jemand, der weiß wovon er spricht, braucht sein Unwissen nicht hinter komplizierten Wörtern und Satzkonstruktionen zu verstecken. Es klingt zwar erhaben und sehr kultiviert, aber bereits nach 2 Seiten geht es einem so auf den Geist, dass man es nur so bald wie möglich weglegen möchte.
Deswegen war Huizinga danach die absolute Erholung. Zwar waren 4 seiner meistbekannten Zitate bereits in den ersten 3 Seiten zu finden, aber was solls. Dieses Buch werde ich persönlich ganz lesen! :)
Was dabei etwas stört sind die Anstriche, die jemand dem Bibliothekbuch bereits verpasst hat. Es muss auch jemand ausgesprochen Ignorantes gewesen sein, da er/sie nur unwichtiges Zeugs anstreicht. Achso, Ihr meint vllt. hat er/sie einfach vor einem anderen Hintergrund das Buch gelesen? Na wie auch immer. Das Rumgestrichene nervt einfach, weil es mich dazu zwingt, mich mit Details zu beschäftigen, die ich sonst einfach überlesen hätte ("Hintergrundlesen" beherrsche ich inzwischen ziemlich gut! :) Ich lese in einem dämmrigen Zustand, und "wache nur auf" wenn für mich wichtige Inhalte besprochen werden. Das macht das Lesen deutlich schneller! :) ). Zum Glück war der/ie Vorleser/in nicht sehr ausdauernd, so dass das Buch nach dem 1. Kapitel sauber ist! :D
Ansonsten ist Huizinga eine ähnliche Erfahrung wie Goethe: "wieso isn der Typ eigentlich berühmt geworden, der reiht doch nur ein Zitat an das nächste?!" (Zitat ist übrigens so ein Wort, wo ich den Artikel kurz nachschlagen musste. Wie steht es mit Band? Das Band oder der Band? Und Schild? Der Schild oder das Schild? Kein Wunder, dass ich oft Artikel nachschlage. Oft frage ich Muttersprachler, und die sind dann erstmal verwirrt! :D)
Ich habe mir allerdings heute morgen etwas überlegt, was für mich eher nicht so gut ist: die meisten wirklich wichtigen Autoren haben Namen, die sie bezeichnen. Habe ich auch, aber das meine ich nicht. Csikszentmihalyi. Huizinga. Freud. Das kann man nicht verwechseln. Davon gibts nur den einen. Naja, und seine Söhne halt. Oder bei Freud die Tochter eben. Aber Meier Müller Schmidt Schneider Huber... Das sind Sammelbegriffe! Wie soll jemand noch in 100 Jahren wissen, wer ich war? *seufz*
Ja, ich weiß, eigentlich habe ich derzeit andere Sorgen...

Montag, 4. Juni 2007

Hans Scheuerl und andere Dinge

Heute habe ich mich gequält. Habe Hans Scheuerl - Das Spiel - gelesen, von 195x. Also noch nicht ganz durch, musste ja Jochen Knoll - "Gewalt und Spiele" - fertig lesen.
Das interessante bei dem Buch ist: Du liest und liest, und irgendwann nach 3-4 Seiten weißt Du, wovon der Typ überhaupt spricht! Dann blätterst Du zurück und liest es nochmal, und dann machen die ganzen Schiller- und Kant-Zitate sogar Sinn!
Aber sehr umständlich geschrieben. Irgendwie indirekt. (Dann doch lieber Theodor Fechner, Ende des 19. Jahrhunderts! Sätze so lange wie die Seite, aber trotzdem köstlich!)
Ein Paar interessante Gedanken sind dennoch dabei. Und sie lassen sich auch prima mit dem Csikszentmihalyi verbinden. Naja, und er schreibt die Spieldefinition, die 75% der Spieleforscher verwenden. Allein schon deswegen muss man ihn gelesen haben.
Es hört sich jetzt so an, als ob ich nur Klassiker lesen würde - und derzeit stimmt das auch!
Bin nämlich glücklicherweise fast durch mit der Fachliteratur und lese nur noch die Sahnehäubchen.
Aber im Gegensatz zu dem Csikszentmihalyi-Sahnehäubchen (das ich gierig verschlungen habe) bleibt mir das Scheuerl-Häubchen halb im Hals stecken, und muss langsam und vorsichtig verdaut werden. :)
Übrigens mache ich bei Scheuerl genau das, was ich bei anderen, die das mit Csikszentmihalyi machen, kritisiert habe: ich lese die Kapitel, die sich mit dem Wesen des Spiels beschäftigen.
Nicht weniger, aber auch nicht mehr! :)

Ach, und last but not least: Diss hat jetzt ein Abgabedatum: so Gott es will werde ich am 17. September meine Diss abgeben! :)